Im nachfolgenden Ratgeber geht es darum, wie man ein sicheres Drucken per IPP/Mopria unter Windows 11 einrichten kann. Zuvor sollen jedoch die wichtigsten Ausdrücke erklärt werden.
Was ist IPP?
IPP steht für „Internet Printing Protocol“. Es ist ein standardisiertes Netzwerkprotokoll, mit dem Druckaufträge plattform- und herstellerunabhängig über IP-Netzwerke (z. B. LAN, WLAN, Internet) an Drucker übertragen werden. IPP dient dazu,
- Drucker im Netzwerk zu finden
- Druckaufträge zu übertragen
- Druckoptionen zu steuern (Farbe, Duplex, Papierformat)
- den Status von Druckern und Druckaufträgen abzufragen
IPP arbeitet über HTTP oder HTTPS. Die sichere Variante heißt IPPS (IPP over TLS). Dabei werden die Standard-Ports 631 (IPP) oder 443 (IPPS) verwendet. IPP unterstützt:
- Verschlüsselung (TLS)
- Authentifizierung
- Zugriffskontrollen
- Sicheres Drucken (z. B. PIN-Druck)
Damit ist IPP deutlich sicherer als ältere Druckprotokolle wie LPR/LPD oder RAW/JetDirect (Port 9100).
Was ist Mopria?
Mopria ist kein eigenes Druckprotokoll, sondern ein Zertifizierungs- und Standardisierungsprogramm. Mopria stellt sicher, dass Drucker und Betriebssysteme treiberlos und einheitlich über IPP drucken können. Die gebildete Mopria Alliance ist ein Zusammenschluss führender Drucker- und IT-Hersteller, darunter:
- HP
- Canon
- Epson
- Brother
- Samsung
- Microsoft
Ziel der Alliance ist ein einfaches, sicheres und treiberloses Drucken auf allen Plattformen. Mopria baut vollständig auf IPP auf. Man kann sich das Verhältnis so vorstellen:
- IPP = das technische Protokoll
- Mopria = das Regelwerk + Zertifikat, wie IPP korrekt genutzt wird
Mopria definiert:
- Welche IPP-Funktionen verpflichtend sind
- Welche Druckoptionen unterstützt werden müssen
- Wie Drucker im Netzwerk gefunden werden
- Wie Statusinformationen bereitgestellt werden
Ein Mopria-zertifizierter Drucker ist also ein IPP-Drucker, der bestimmte Mindeststandards garantiert erfüllt.
Vorteile von IPP / Mopria
Diese Kombination steht für ein treiberloses Drucken:
- Keine herstellerspezifischen Treiber notwendig
- Reduziert Sicherheitsrisiken
- Vereinfacht Administration
Sie ist plattformübergreifend und unterstützt:
- Windows 10 / 11
- Android
- ChromeOS
- Linux
- macOS (über IPP)
Zudem bietet sie mehr Sicherheit:
- Verschlüsselte Übertragung
- Moderne Authentifizierungsmechanismen
- Besser kontrollierbar als alte Druckprotokolle
Rolle in Windows 11
Windows 11 nutzt IPP/Mopria als Standard-Druckarchitektur:
- Automatische Erkennung von Mopria-Druckern
- Nutzung des Microsoft IPP Class Drivers
- Vorbereitung auf treiberloses Drucken ohne Printserver
Microsoft empfiehlt IPP/Mopria ausdrücklich als Nachfolger klassischer Druckermodelle.
So richtet man ein sicheres Drucken per IPP/Mopria unter Windows 11 ein
Zunächst wird sichergestellt, dass Windows 11 in einer aktuellen Version installiert ist. Es wird überprüft, dass sich PC und Drucker im selben Netzwerk befinden (LAN oder WLAN). Ebenso wird sichergestellt, dass der Drucker IPP (Internet Printing Protocol) oder Mopria unterstützt. Gegebenenfalls wird dies im Handbuch oder auf der Herstellerseite geprüft.
Es wird empfohlen, dass der Drucker HTTPS / IPP over TLS (ipps://) unterstützt, um verschlüsseltes Drucken zu ermöglichen. Zudem wird sichergestellt, dass der Benutzer Administratorrechte auf dem Windows-System besitzt.
Drucker vorbereiten (am Gerät oder Webinterface)
Zunächst wird der Drucker wie folgt vorbereitet:
- Es wird das Admin-Menü des Druckers aufgerufen (Display oder Weboberfläche)
- Danach wird überprüft, dass IPP aktiviert ist
- Typische Bezeichnungen sind IPP, IPP over HTTPS, Secure IPP oder Mopria Printing
- Falls vorhanden, wird „IPP über TLS (IPPS)“ aktiviert
- Optional wird ein Geräte- oder Benutzer-PIN, Pull-Printing oder Secure Release aktiviert, sofern der Drucker dies unterstützt
- Die IP-Adresse oder der Hostname des Druckers wird notiert
Windows-Funktionen für Mopria/IPP prüfen
Zur Prüfung geht man folgendermaßen vor:
- Die „Einstellungen“ von Windows 11 werden geöffnet
- Zu „Bluetooth & Geräte → Drucker & Scanner“ wird navigiert
- Es wird überprüft, ob der Hinweis „Mopria-zertifizierte Drucker werden unterstützt“ vorhanden ist
- Windows 11 bringt Mopria-Support standardmäßig mit, es ist keine separate App notwendig
- Falls der Drucker automatisch angezeigt wird, kann man den Drucker manuell per IPP hinzufügen
Drucker manuell per IPP hinzufügen
Hierzu geht man wie folgt vor:
- In „Drucker & Scanner“ wird auf „Gerät hinzufügen“ geklickt
- Falls der Drucker nicht automatisch gefunden wird, wird „Manuell hinzufügen“ ausgewählt
- Die Option „Drucker über TCP/IP-Adresse oder Hostnamen hinzufügen“ wird gewählt
- Als Gerätetyp wird „IPP-Gerät“ ausgewählt
- Als Adresse wird eingegeben: „sicher (empfohlen): ipps:///ipp/print“, „alternativ (unverschlüsselt): ipp:///ipp/print“
- Der Assistent wird fortgesetzt
Treiberinstallation (treiberloses Drucken)
Es wird gewartet, bis Windows den Drucker erkennt. Windows installiert automatisch einen treiberlosen IPP-Klassentreiber (Mopria / Microsoft IPP Class Driver). Es wird kein herstellerspezifischer Treiber installiert, um maximale Sicherheit und Kompatibilität zu gewährleisten. Der Drucker erhält einen eindeutigen Namen und wird hinzugefügt.
Sicheres Drucken konfigurieren
Hier geht man wie folgt vor:
- In „Drucker & Scanner“ wird der neu hinzugefügte Drucker ausgewählt
- Die „Druckereigenschaften“ werden geöffnet
- Unter „Erweitert“ oder „Geräteeinstellungen“ werden – falls verfügbar – die Optionen „Sichere Druckaufträge“, „PIN-Druck“ sowie „Benutzeridentifikation“ geprüft
- Falls der Drucker „Secure Print / Follow-Me Printing“ unterstützt, wird diese Funktion aktiviert
- Die Einstellungen werden gespeichert
Testdruck durchführen
In den „Druckereigenschaften“ wird „Testseite drucken“ ausgewählt. Es wird geprüft, ob der Druckauftrag erfolgreich übertragen wird, ggf. eine PIN am Drucker abgefragt wird und der Druck erst nach Authentifizierung erfolgt.
Sicherheit weiter erhöhen (empfohlen)
Es wird sichergestellt, dass:
- nur ipps:// verwendet wird
- alte Protokolle wie RAW/9100 deaktiviert sind
- der Drucker eine aktuelle Firmware besitzt
In Unternehmensumgebungen wird empfohlen:
- IPP-Zugriff per Firewall einzuschränken
- Druck über VLANs zu trennen
- Benutzer über Microsoft Entra ID oder Druckserver zu authentifizieren
Fazit:
Nach Abschluss dieser Schritte ist sicheres, verschlüsseltes und treiberloses Drucken per IPP/Mopria unter Windows 11 eingerichtet. Druckaufträge werden standardkonform, herstellerunabhängig und – bei entsprechender Druckerunterstützung – mit Authentifizierung und Zugriffsschutz ausgeführt.
Drucker mit Mopria Zertifizierung sind beispielsweise:
- HP OfficeJet 5200 Series Druckerpatronen
- HP Officejet Pro 6230 Series Druckerpatronen
- HP OfficeJet 6950 Druckerpatronen
- HP OfficeJet Pro 6960 Druckerpatronen
- HP OfficeJet Pro 7740 WF Druckerpatronen
- HP Officejet Pro 8210 Druckerpatronen
- HP OfficeJet Enterprise Color X 585 f MFP Druckerpatronen
- Canon imagePROGRAF Pro 1000 Druckerpatronen
- Canon PIXMA iP 110 Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 3640 S Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 5750 Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 3650 Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 5650 Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 5750 Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 6650 Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 7120 Druckerpatronen
- Canon Pixma MG 7150 Druckerpatronen
- Brother MFC-J 680 DW Druckerpatronen
- Brother MFC-J 6730 DW Druckerpatronen
- Brother MFC-J 6925 DW Druckerpatronen
- Brother MFC-J 5920 DW Druckerpatronen
- Brother MFC-J 5730 DW Druckerpatronen
- Brother MFC-J 5930 DW Druckerpatronen
